Hallöchen, es ist mal wieder Freitag morgen und ich sitze in der ersten Schulstunde im Unterricht. Ich habe Heimweh und das schon seit Tagen 😢. Ich vermisse es mit vertrauten Personen Gespräche zu führen und mich mit Leuten zu treffen bei denen ich einfach ich sein kann. Die Gespräche mit den Mädchen hier in der Schule sind meistens so oberflächlich, dass mir dabei gefühlt langweilig wird. Es ist natürlich immer nett mit ihnen übers Wetter, den Unterricht und ihre Pläne für die Woche zu reden, aber nach 3 Wochen Schule macht das nur noch wenig Spaß. Ich wünsche mir einfach, dass ich mich hier wohl fühle und ich hier langsam mal Freunde habe, mit denen man einfach mal einen Kaffee trinken geht und abends ganz entspannt einen Film auf Netflix anschaut. Irgendwie habe ich das Gefühl total viel zu verpassen. Wenn ich so höre, was andere Internationals hier erleben, dann ist mein Leben dagegen echt langweilig. Ich gehe zur Schule, esse danach etwas und ruhe mich etwas aus indem ich lese oder meine Serie anschaue. Dann gehe ich entweder alleine oder mit jemand anderem raus (spazieren gehen, Kaffee trinken, einkaufen gehen) und abends esse ich dann Abendessen und probiere mit meiner Gastfamilie über ihren Tag zu reden und dann gehe ich in mein Zimmer und mache meine Abendroutine. Das klingt erstmal wahrscheinlich gar nicht schlecht, aber das sind alles Sachen, die ich auch zuhause machen könnte (in Deutschland). Gestern habe ich mich mit einer Italienerin getroffen und sie meinte, dass sie hier eine total andere Person ist als zuhause, und dass ihr Leben hier total anders aussieht. Bei mir ist das irgendwie nicht so. Klar ich habe einen anderen Tagesablauf, weniger Stress in der Schule und mache auch teilweise andere Sachen, aber ich bin immer noch gleich geblieben. Ich halte zwar auch viel Kontakt nach Hause (obwohl ich das in der letzten Woche schon etwas reduzieren konnte) aber das tuen viele andere Internationals auch und die ändern sich anscheinend total hier.

Die Pasta, die ich mit der Italienerin gegessen habe
Es ist frustrierend, jeden morgen mit einem neuen Problem und neuen Sorgen aufzuwachen. Ich will irgendwie mehr Kontakt zu anderen Menschen obwohl ich jetzt schon immer Abends froh bin, wenn ich endlich alleine in meinem Zimmer bin und mir keine Sorgen mehr um menschliche Interaktion machen muss – da bin ich dann eventuell auch einfach etwas introvertiert.
Ich habe inzwischen schon echt wilde Storys darüber gehört, wie andere Austauschschüler hier feiern gegangen sind, in Pubs waren und zusammen im KFC essen gegangen sind. Ein Teil von mir will das irgendwie auch, vor allem dieses Gruppengefühl und die Ablenkung, und ein anderer Teil will ein schön ruhiges Leben ohne zu viel Aufregung führen mit ein paar sehr guten Freunden. Kurz gesagt: Der eine Teil will sich hier ausleben und der andere Teil will sich zurückziehen und im Boden vergraben.
Das Problem ist aber nicht nur, dass ich nicht weiß ob ich das will, sondern dass ich gar keine Möglichkeit dazu habe, weil ich sowas nie mitbekomme. Ich habe nicht sonderlich viel Kontakt zu denen, die immer zusammen etwas machen (und natürlich auch alle zusammen in die Schule gehen) und ich habe das auch nur im Nachhinein mitbekommen, weil mir das von der ein oder anderen Person gesagt wurde (die teilweise selber nicht dabei waren).
Ich will mich hier einfach nur wohlfühlen, gute Freunde haben, mich super mit meiner Gastfamilie verstehen und ab und zu mal was Verrücktes machen, was nicht typisch für mich ist – keine großen Erwartungen, oder?
Heute morgen habe ich meine Gastschwester gefragt, ob wie zusammen heute Abend etwas machen wollen und sie hat leider keine Zeit. Ich habe keinen Bock darauf alleine in meinem Zimmer zu sitzen und den Sorgen und Gedanken freien Lauf zu lassen, aber ich will heute auch echt nicht lange rausgehen. Ich fühle mich einsam und bin total fertig und erschöpft.
Was ich heute also den restlichen Tag über machen werde, weiß ich noch nicht. Ich hoffe, dass mir etwas gutes einfällt und ich vielleicht ein bisschen raus gehen kann (kommt immer auf das Wetter an.
Die Schulwoche war insgesamt ganz in Ordnung. Ich hatte gute Momente in denen ich mich wohl gefühlt habe und in denen ich Spaß hatte und ich hatte (viele) einsame Momente in denen mich alles angestrengt hat und in denen ich nicht wusste was ich mit mir hier anfangen soll.
Ich will mich mit Leuten treffen und mit ihnen reden, aber ich will auch alleine sein – ich weiß, schwierig.
Ich wache inzwischen teilweise morgens wieder mit einem bedrückteren Gefühl auf und ich muss mich richtig dazu überreden aus dem Bett zu kommen. Zum einen weil ich einfach total müde bin (obwohl ich wirklich genug schlafe) und zum Anderen weil ich mir Sorgen mache. Sorgen über so ziemlich alles. Darüber, dass ich hier nicht genug Englisch lerne, dass ich keine Freunde finde, ich hier nicht reinpasse und ich nicht genug mache um mich zu verändern und anzupassen.
Drückt mir die Daumen, dass es mir bald besser geht und dass ich ich an das Leben hier etwas besser gewöhne.
Ich vermisse euch und habe euch lieb 😘
Bis bald

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