1 step forward, 3 steps back

Hallo meine Lieben, 

heute lief gefühlt ALLES schlecht. Ich bin morgens von meinem Wecker aufgeweckt worden und bin direkt fast wieder eingeschlafen. Nach ungefähr 10 Minuten müdem rumliegen und erneutem Einschlafen habe ich es dann geschafft mich aufzuraffen und aus meinem Bett zu gehen um mich für die Schule fertig zu machen. Daher, dass Gestern – aufgrund des heftigen Sturms Harry – keine Schule stattfand bzw. ich keine Schulpflicht hatte (und mich dementsprechend dagegen entschieden habe freiwillig zur Schule zu kommen, wenn niemand anderes kommt und man aus Sicherheitsgründen nicht aus dem Haus gehen sollte) hatte ich gehofft, dass ich heute morgen etwas wacher und motivierter aufwachen würde..was leider nicht der Fall war. Bis dahin ja ein normaler morgen – ich bin todmüde, unmotiviert und vermisse mein Bett sobald ich einmal aufstehe. Aber ein nicht so guter Start in den Tag sagt ja noch nichts über den restlichen Verlauf ab. Trotzdem habe ich natürlich versucht mich zu motivieren, indem ich einen meiner Lieblingspodcasts angemacht habe und mir dann Frühstück gemacht habe. Ich hab mich dann in meinem Zimmer auf mein Bett gesetzt und habe meinen Toast gegessen während ich gegen die Wand gestarrt habe (weil ich eben so müde war). Tja, die Wand hat sich bewegt.. bzw. etwas an der Wand hat sich bewegt, sogar recht viel an der Wand hat sich bewegt.. Dreimal dürft ihr raten wer eine Ameisenstraße in ihrem Zimmer gefunden hat (um sieben Uhr morgens, in ihrem Schlafanzug, übermüdet und unmotiviert.. ICH 😅. Dann hab ich meinen Müll weggebracht, weil die Ameisen genau dahin gekrabbelt sind (weil da vermutlich ein paar verschimmelte Kekse drinnen waren die ich weg geschmissen habe – we listen and we don’t judge), meiner Gastfamilie darüber geschrieben (weil die noch nicht wach waren) und bin dann zur Schule gegangen, weil ich schließlich keine andere Wahl hatte (ich konnte ja nicht einfach warten bis mir mal irgendwer hilft diese Ameisen aus meinem Zimmer zu bekommen) – während ich das schreibe und daran denke kribbelt es auf meinem Körper überall… 🐜

Mein Schultag verlief soweit dann ganz gut, ich war zwar wirklich müde und bin während dem Maltesisch Unterricht zweimal fast wirklich eingeschlafen aber an sich verging der Schultag dann doch recht schnell. Als ich zuhause an gekommen war hatte ich schon Angst, was mich erwarten könnte.. noch mehr Ameisen, meine Gastfamilie die wütend auf mich ist, weil Essen im Müll war was die Ameisen angelockt hat, usw.. Ich sperrte dann die Haustür auf und niemand war da, die Ameisen waren zum Großteil weg und der Rest war an der Wand zerdrückt (da haben sie mir dann schon leid getan) und ich habe dann einfach mit dem Problem abgeschlossen. Kein Essen mehr in meinem Zimmer, keine Ameisen mehr in meinem Zimmer, alles wieder gut und das Problem ist ja jetzt gelöst

Alle die mich kennen wissen, dass ich manchmal sehr pessimistisch sein kann und das versuche ich im Moment zu ändern. Nicht nur als einen meiner Neujahrsvorsätze sondern auch als eine generelle Lebenseinstellung. Dementsprechend habe ich dann auch versucht das Ameisenproblemchen einfach zu vergessen und mir trotzdem einen schönen Tag zu machen. 

Daher, dass ich so müde war habe ich dann versucht einen kleinen Power-Nap zu machen, was leider nicht geklappt hat, weil ich einfach nicht eingeschlafen bin. Na gut, dann halt nicht.

Dann habe ich mich aber fertig gemacht und mich gefreut rauszugehen, weil meine Wetterapp – diese Lügnerin – mir gesagt hat, dass draußen die Sonne ein wenig scheint, dass es an sich gutes Wetter ist, und dass es um die 14 Grad hat. Ich hab mich dann also fertig gemacht, eines meiner Lieblingsoberteile und meinen tollen neuen Schal angezogen, hab meine Tasche gepackt und bin dann motiviert aus meinem Zimmer gegangen um mich von meiner Gastfamilie zu verabschieden und um zur Bushaltestelle zu gehen. Meine Gastschwester meinte da schon zu mir „Good Luck“ und ich habe es einfach ein bisschen weg gelacht, weil ich mir so dachte „Wofür brauch ich denn Glück, das Wetter ist doch gut“. Ich mache also die Tür auf und es nieselt. „Okay.. dann nieselt es halt. Es könnte schlimmer sein.“ Ich laufe ein paar Meter Richtung Bushaltestelle und es fängt an unfassbar stark zu schütten und ich war innerhalb von zwei Minuten fast komplett nass. Ich bin dann weiter gerannt zur Bushaltestelle, weil ich den Gedanken daran den gesamten Tag wieder nur in meinem Zimmer zu verbringen trotzdem schlechter fand als der Gedanke nass draußen zu stehen. Der erste Bus ist dann an mir vorbei gefahren obwohl ich und ein anderes Mädchen beide heftig gewunken haben, damit der anhält. Der zweite Bus hat uns dann mitgenommen und ich bin dann (mal wieder) nach Valetta gefahren.

So weit so gut. Ich bin dann in das Café gegangen, indem ich auch schon neulich diesen unfassbar guten Brownie gegessen hatte, weil ich wieder darauf Lust hatte und wusste, dass es eine ✨Limited Edition ✨ ist und ich nicht verpassen wollte den nochmal zu probieren. Als ich dann im Café saß war alles gut. Ich habe (ganz alleine) bestellt (ich weiß – das ist echt krass für meine Verhältnisse) und habe meinen Lieblingspodcasts mit meinen Kopfhörern gehört während ich meinen Kaffee getrunken und meinen Brownie gegessen habe. 

Das Essen war gut, die Podcastfolge hat mir gefallen, meine Klamotten sind einigermaßen getrocknet und ich habe mich in einem Spiegel der im Café stand gesehen während ich an meinem Tisch saß und fand mich hübsch 🥰 – das war also ein voller Erfolg und ich hab mich wieder gut gefühlt und war fest der Überzeugung, dass der Rest vom Tag ja nur gut werden kann. 

Nach einer Weile bin ich dann aus dem Café rausgegangen und der Regen hat meine Klamotten (schon wieder) komplett durchnässt, worüber ich dann aber einfach gelacht habe und mir einen dieser 3 Euro Plastik Regenmäntel zum überwerfen gekauft habe – sah natürlich total elegant an mir aus. Ich fand die Situation dann einfach lustig weil der Regenmantel (wenn man dass überhaupt so nennen kann) an mir aussah wie ein riesiger Müllsack und weil ich innerhalb von ein paar Minuten total nass war und meine Haare und mein Gesicht total getropft habe und ich die Situation einfach total absurd und irgendwie amüsant fand.

Dann bin ich in den Bus gestiegen um nach Hause zu fahren. Ursprünglich war mein Plan, dass ich mich nicht auf einen der Busplätze hinsetzte, weil ich nicht wollte, dass der durch mich danach total durchnässt ist und jemand Anderes der sich danach drauf setzt dann eine nasse Hose hat, aber als ich dann gesehen hab, dass der ganze Bus leer war und ich gemerkt hab, dass eigentlich wirklich gar keine Lust habe bei den Fahrkünsten der Busfahrer hier (sehr aggressiv und impulsiv) im Bus zu stehen und hin und her geschüttelt zu werden. Genau deswegen habe ich mich dann auch relativ weit hinten im Bus auf einen freien Platzt ans Fenster gesetzt. Der Bus hat sich etwas gefüllt (es waren immer noch über der Hälfte aller Sitzplätze frei) und 2 Reihen vor mir hat sich dann ein Mann hingesetzt. Er hat dabei kurz in meine Richtung geschaut weshalb ich aus Höflichkeit gelächelt habe (weil ich das halt so bei jedem tue – egal ob das ein kleines Kind, eine Frau, ein Mann, eine alte Omi oder sonst noch was ist, ich lächle einfache jeden an, weil ich freundlich sein will und gute Laune verbreiten will). Er hat dann zurück gelächelt und ist auf einmal aufgestanden und hat sich direkt neben mich gesetzt (nochmal gesagt: es waren noch viele andere Plätze komplett frei und er hatte wie gesagt auch eigentlich schon einen für sich). Ich habe das in dem Moment schon komisch gefunden aber er hat ja erstmal nichts gemacht, außer sich genau neben mich zu setzten – in einem halb leeren Bus

Der Bus ist dann losgefahren und der Typ hat auch für ganze 2 Minuten geschwiegen und ich habe einfach gehofft, dass er jetzt die ganze Fahrt über schweigen wird und bald aussteigen muss. 

Nichts gewesen außer Spesen! Er hat dann auf einmal gefragt ob ich Englisch spreche und ich habe ja gesagt (im Nachhinein hätte ich einfach sagen sollen, dass ich weder Englisch noch sonst irgendeine Sprache spreche und dass er mich doch einfach von vorn herein in Ruhe lassen soll). Er hat dann irgendwas davon gelabbert, dass er nicht gedacht hätte, dass ich Englisch spreche und dass er aus Nigeria kommt und er Deutschland nicht gut kennt.. bla bla bla – es hat mich wirklich nicht interessiert. Er hat mich nach meinem Namen gefragt (ich hab ihm natürlich nicht meinen echten Namen gesagt) und nach meiner Schule und meinem Schulweg (an der Stelle mal gesagt: er war mindestens 10 Jahre älter als ich und in dem Moment wo er gehört hat, dass ich in die Schule gehe hätte er eigentlich sagen müssen: oh sorry das wusste ich nicht, dann setzt ich mich mal wieder weg – was er natürlich nicht gemacht hat.). Er hat mich über meine Schulfächer ausgefragt und mich gefragt ob ich kochen kann und als ich dann meinte „ja“ meinte er nur wie gut er es findet, dass ich kochen kann und dass er das ja nicht wirklich kann (wtf an der Stelle – was interessiert es dich denn, ob ich kochen kann?) etc.. Bei den wichtigen Fragen habe ich selbstverständlich immer gelogen, weil ich schon in dem Moment wo er sich zu mich gesetzt hat wusste, dass ich ihm das nicht anvertrauen werde (also so etwas wie Name, wo ich wohne, meine Telefonnummer oder auch meine Schule). Dieser Typ (der älter ist als ich – deutlich) hat mich dann nach meiner Nummer gefragt und gemeint, dass wir doch Freunde sein könnten. Ich hab ihm dann erzählt, dass wir in Deutschland leider weder WhatsApp noch Instagram haben (weil er mich nach beidem gefragt hat) und habe ihm auch gesagt, dass ich leider bei der nächsten Haltestelle raus muss. Ich hatte gehofft, schnell aus dem Bus rauszukommen (obwohl das gar nicht meine Haltestelle war) und so wie mein Glück mich davor verlassen hat, war es auch da mal wieder der Fall: Der Bus ist nicht angehalten und ist bis zur Ortsmitte durchgefahren (wo ich spätestens raus muss.. und wo er natürlich auch raus musste). Ich bin dann aus dem Bus gesprungen als der angehalten ist, habe direkt ein Telefonat gefaked und bin ganz schnell weggelaufen, damit er nicht sieht wo ich hinlaufe (nennt mich paranoid aber da bin ich lieber vorsichtig als nachsichtig, nachdem er mich so viel ausgefragt hatte – auch darüber wo ich wohne). Als ich dann zuhause angekommen war, war ich mit den nerven am Ende. Vielleicht ist das für manche schlecht vorstellbar aber in der Situation war ich weitgehend machtlos und das hat mir schon Angst gemacht. Natürlich hätte ich ihn ins Gesicht schlagen können, schreien und aufstehen können, aber weshalb? Weil er sich erstmal nur neben mich gesetzt hat und mich komische Sachen gefragt hat? In dem Moment ging es nicht darum, was bisher passiert war, sondern darum, was noch passieren könnte. Dieser Typ hat sich extra umgesetzt zu mir obwohl es dafür keinen Grund gab, er hat sich total nah an mich dran gesetzt und hat fragwürdige Sachen gesagt und Fragen gestellt. Er war älter und größer als ich und er saß am Gang weshalb ich nicht einfach aufstehen konnte und gehen konnte, ohne dass er mich lässtkein gutes Gefühl! 

Als ich dann zuhause war, war ich wie gesagt einfach durch mit meinen Gedanken und wollte einfach nur, dass der Tag vorbei geht. Der Gedanke, zu duschen um mich besser zu fühlen, kam mir dann während ich mit meinen Eltern telefoniert habe, weil ich das ganze schnell los werden musste. Und als ich dann duschen wollte fällt mir auf einmal auf, dass da irgendwie eine kleine Pfütze mit Wasser💧auf meiner Kommode ist.. Und auf einmal tropft es von oben in diese Pfütze runter. Als ich dann meinem Gastvater gesagt habe, dass es tropft hat er mir einfach eine Plastikschüssel gegeben und sie dort hingestellt, damit es dann halt da rein tropft. An dem Punkt war ir das dann auch echt egal, ich wollte nur schnell duschen. Als ich dann grade die letzte Sache ins Bad gestellt hatte, die ich zum Duschen brauchte sah ich, dass es schon wieder tropft – aber nicht auf meine Kommode, sonder auf mein Bett. Ich hab mir dann eine Schüssel geholt und die an die Stelle auf mein Bett gestellt. Ich weiß, nicht die beste Lösung, aber ich hatte zu dem Zeitpunkt einfach wirklich keine Lust mehr jetzt mein Fenster irgendwie abzudichten und meine Handwerker-Skills aufzubessern.  

Nachdem ich dann geduscht habe, habe ich versucht meine Guardian Sarah (also meine Verantwortliche hier vor Ort) zu erreichen, nachdem ich ihr den Tag über schon erfolglos geschrieben hatte und ich sag mal so: nach 5 Anrufen über 3 Stunden verteilt hat die Gute natürlich immer noch nicht geantwortet, und ich hab dann eine Notlösung zusammen mit meiner Mama gefunden – auch wenn jetzt alles gut lief, war es in der Situation natürlich total doof, weil ich eigentlich auf die Angaben von Sarah angewiesen war.

Und zu all dem oben drauf (es mag vielleicht gar nicht nach so viel klingen, aber für mich war der Tag echt verflucht) habe ich dann so schlimme Kopfschmerzen gehabt, die sich wie Migräne angefühlt haben, dass ich meine Augen nicht mehr richtig öffnen konnte und ich vor Schmerzen meinen Blogeintrag (den hier) nicht zu Ende schreiben konnte und dann auch ewig nicht einschlafen konnte weil meine Schmerzen so schlimm waren. 

Abschließend gesagt: Die Ameisen, der Regen, der Typ im Bus, das Wasser in meinem Zimmer, meine nicht erreichbar und unzuverlässige Guardian Sarah und meine Kopfschmerzen – alles doofe Dinge aber ändern kann ich jetzt auch nichts mehr. Der Tag lief einfach nicht gut. Ich habe die ganze Zeit versucht das Positive in allem zu sehen und es hat auch bis zu einem gewissen Punkt geklappt – worauf ich übrigens sehr stolz bin, weil das schonmal ein Fortschritt ist – nur halt nicht den ganzen Tag über. 

Dieser Blogeintrag war jetzt mal etwas anders, weil ich relativ wenig Positives erzählt habe und mich mehr über meine Leben beschwert habe, aber wie gesagt: Der Blog hilft mir meine Eindrücke hier zu verarbeiten – die Guten und die Schlechten. Und all die Dinge die mir hier passiert sind, hätten mir vermutlich auch in Deutschland passieren können.

Ich hab euch lieb und vermisse euch an solchen Tagen natürlich nochmal ein bisschen mehr, aber ich lasse mich von diesem einen schlechten Tag nicht zurückhalten und gehe ganz gewöhnlich weiter meinen Weg hier. Ich wünsche euch noch eine schöne Woche! 

Bis bald! 😘

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2 Responses

  1. Argh! So ein widerlicher Typ, allein für den Zweck sollte man in allen Bussen Schleudersitze einbauen. Dann könnte man per App dafür sorgen, dass der ganz schnell eine Karriere als Red Bull-Werbefigur macht und davonfliegt…

    Aber es ist am Ende doch beruhigend, dass nicht wirklich etwas passiert ist. Der Typ war sozial aufdringlich und hat sicher kein gutes Gefühl hinterlassen. Aber wirklich „getan“ hat er ja auch nichts. Und so Laberer gibt’s hier ja auch.

    Meine Daumen sind jedoch gedrückt, dass du den Kerl nie wieder sehen musst.

    The Däd

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