Hallöchen, es ist mal wieder Freitag und ich sitze in der Schule. Meine Laune: nicht gut. Wir (meine Hospitality Klasse und ich) sind heute zum zweiten Mal in die professionelle Kochschule ITS gegangen und haben dort einen Kochkurs von einem Chefkoch bekommen – eigentlich ziemlich cool. Gestern (als wir das erste Mal bei der Kochschule waren) war auch fast alles gut. Heute mussten wir (eigentlich) in Teams arbeiten und natürlich ist die Anzahl an Leuten nicht aufgegangen, weshalb ich alleine arbeiten musste – die Arbeit, die 2 machen sollten habe ich dann also alleine gemacht. Der Chefkoch war nett und das Rezept war auch nicht unfassbar anspruchsvoll. Was mich aber genervt hat: Ursprünglich hatte ich eine Teampartnerin, mit der ich auch schon gestern gekocht hatte, aber dann musste natürlich ein Mädchen die Gruppe wechseln und ich hatte keine andere Wahl als alleine zu arbeiten. Ich hab meine Lehrerin (also die die ich auch in der Schule habe) öfters nach Dingen und Hilfe gefragt, weil ich eben alleine war und deswegen manchmal auf Hilfe angewiesen war. Sie hat dann irgendwann so gesagt: „Ich kann dir nicht die ganze Zeit helfen, mach das jetzt mal selber“. An sich verstehe ich den Punkt, dass sie sich auch um die anderen kümmern muss, aber daher, dass ich alleine gewesen bin, ich das Fach noch nie davor hatte und sie selbst gesagt hat, dass man sie alles fragen kann fand ich das dann auch irgendwie nicht so toll.

Was wir gekocht haben ⬆️
Und auch auf der Hin- und Rückfahrt (in einem der Schulvans – der übrigens nach Rauch gestunken hat) haben die Mädchen natürlich schön auf maltesisch geredet. An sich stört mich das inzwischen auch nicht mehr so, weil ich mich daran gewöhnt habe meistens nicht alles zu verstehen, aber es war in der Situation dann doch irritierend, weil ich die ganze Zeit versuche mich hier aus meiner Comfort Zone zu pushen und möglichst viel sozial zu sein und es mir solche Leute nicht wirklich leichter machen 😔. Mich hat aber auch grundsätzlich die Einstellung von manchen gestört. Als wir im Unterricht über das Backen von Naanbrot gesprochen haben, haben manche die ganze Zeit das Gesicht verzogen und es wurde – auch von der Lehrerin – betont wie unhygienisch Inder und Inderinnen sind und das fand ich dann auch echt grenzwertig, da so stark alle in eine Schublade zu stecken und Kindern in der Schule direkt ein negatives Bild eines ganzen Landes einzuprägen.
So viel dazu.
Ich hab (wie man an diesem und dem letzten Blogeintrag vermutlich gemerkt hat) langsam keine Lust mehr immer übertrieben sozial zu sein und immer die zu sein, die das Gespräch anfangen muss und die zu sein, die bei allem Nachfragen stellen muss damit das Gespräch überhaupt funktioniert. Es ist echt anstrengend wenn man immer alles dafür tut eine Freundschaft aufzubauen und man fast nichts zurück bekommt.
Mich haben diese Woche auch noch viele andere Dinge genervt und ich wünsche mir wirklich sehr, dass es bald besser wird.
Was mich außerdem noch beschäftigt, ist der Kontakt zu meiner Familie. Ich habe letzte Woche jeden Tag mit meinen Eltern telefoniert und auch viel mit meinen Freunden aus Deutschland geschrieben. So sehr ich mir auch die ganze Zeit über wünsche, dass ich meine Eltern wieder anrufe, will ich das etwas reduzieren. Warum? Ich will hier voll ankommen, ich will versuchen meinen Kopf auf Englisch umzustellen und mich nicht mit meinen Gedanken an mein Zuhause in Deutschland aufhalten. Aber das ist schwer. Zum einen weil es grundsätzlich nicht leicht ist von seinen geliebten Menschen weg zu sein und keinen gewohnten Safespace zu haben und zum Anderen, weil ich (vorallem mit dem schlechten Wetter im Moment) auch gar nicht so viel außerhalb von der Schule zu tun habe. Ich versuche mich immer bestmöglich mit Dingen wie Spaziergängen, Fotographie, Buch lesen, Café trinken gehen und „Freunde“ treffen gehen abzulenken, aber das gelingt mir nicht immer. Zum Beispiel heute: Ich treffe mich um 19 Uhr mit einer Italienerin und einer Deutschen um zusammen essen zu gehen. Darauf freue ich mich schon total, weil die beiden wirklich total nett sind und ich mich bisher wirklich gut mit ihnen verstehe. Aber was mache ich von 13.30 Uhr (Schulende) bis 18 Uhr (wenn ich los muss)? Ich will meine Zeit draußen verbringen aber im Moment ist es etwas zu kalt um sich draußen irgendwo hinzusetzten weshalb ich mich entweder bewegen muss (Spaziergang oder joggen gehen – obwohl das bei dem aktuellen Wind auch kein Spaß mehr ist) oder ich muss mich in ein Café oder ähnliches setzten (Problem dabei: Dann muss ich Geld ausgeben und das Leben hier ist schon teuer genug, ohne dass ich mir einen 4 Euro Kaffee jeden Tag kaufen muss. Voraussichtlich heute werde ich mir Abendessen kaufen (hoffentlich gutes Essen, guter Preis) und dann eventuell mit einem Bolt (im Prinzip ein Taxi/Uber, Bolt ist hier nur deutlich beliebter und verbreiteter) nach Hause fahren (weil ich je nach Zeit, keine Lust habe noch Bus zu fahren) – eine durchschnittliche Fahrt für eine Person kostet (soweit ich weiß) ca. 6 Euro (also nicht billig, vor allem im Vergleich zu den kostenlosen Öffis). Wenn zu dem Preis jetzt noch ein Kaffee, meine Medikamente aus der Apotheke und vielleicht ein Snack dazu kommen dann sind wir da schon bei mindestens 30 Euro (die ich an einem Tag ausgebe) 🫣. Aber genug Buchhaltung und Mathe betrieben (das interessiert wahrscheinlich eh niemanden).
Ich bin froh, dass gleich die vorletzte Stunde Malti (Maltesisch) vorbei ist und ich dann nur noch P.E (Sportunterricht) habe. Wir machen gerade Volleyball. Die Worte meiner Lehrerin letzte Woche waren: „Hat sie das grade gut gemacht? Nein“ – ich bleibe also auch hier eine Niete im Sportunterricht 😂.
Gestern hatten wir wieder ein Treffen meiner Organisation, wo wir 1 1/2 Stunden über „Belonging“ geredet haben. Klingt intellektueller als es eigentlich war. Uns hat eine Mitarbeiterin, die Psychologie studiert, in den ersten 20 Minuten erklärt was Zugehörigkeit ist und wieso es wichtig ist ein Teil von mindestens einer sozialen Gruppe zu sein – was ich durchaus spanend fand – und danach haben wir für fast eine Stunde in kleineren Gruppen, die immer wieder durchgemischt wurden, unterhalten (war irgendeine Art Bingo-Spiel). Ich habe mit einer Italienerin darüber geredet, wie sie hier die Schule findet, und dass das Schulsystem hier sehr anders ist als das in Italien oder Deutschland. Anschließend habe ich auch mit einem Italiener geredet, der irgendwie immer wenn ich mich kurz weggedreht habe und dann wieder zurück zu ihm geschaut habe ein Stückchen näher an mir dran war.. Und danach habe ich dann noch mit 2 anderen Italienerinnen darüber geredet, wie sie die Schule hier finden, wie es ihnen hier so geht und wie doof sie es finden, dass sie um 23 Uhr am Wochenende wieder zuhause sein müssen (wer mich kennt weiß, dass das für mich wirklich gar kein Problem ist. Um die Uhrzeit bin ich sehr gerne wieder zu Hause). Im Gegensatz zu mir und den anderen Schülern, die mit mir angekommen sind, leben die Italiener hier nur für einen Monat und sie leben hier auch nicht in Gastfamilien sondern auf dem Campus, weshalb bei ihnen auch mehr auf die Regeln geachtet wird. Der Nachmittag war ganz schön und meine Befürchtung, dass es komisch sein wird hat sich zum Glück absolut nicht bestätigt.
Auf meinem Rückweg (mit dem Bus) habe ich dann eventuell etwas vor mich hingeträumt und habe meinen Busstop verpasst und dann musste ich möglicherweise im Dunkeln mit meiner Taschenlampe durch die Gegend laufen um zu meinem eigentlichen Busstop zurück zu finden. Währenddessen habe ich lustigerweise mit einer anderen Deutschen (die auch bei dem Treffen war) telefoniert weil ihr Bus einfach gar nicht gekommen ist und ich sag’s mal so: Wie sind beide irgendwann zu Hause angekommen aber den Bus hier zu nehmen ist nichts für schwache Nerven.
Ich freue mich auf morgen, weil ich ausschlafen kann, nicht in die Schule muss und vor allem weil ich mit meiner Schwester telefonieren werde (Juhu) 💕. Auch wenn die letzten Tage nicht meine Besten waren, heißt das ja nicht, dass heute und morgen und übermorgen nicht total gut werden.
Ich weiß, dass ich mich insbesondere in diesem Blogeintrag deutlich mehr beschwert habe, als in meinen vorherigen, aber das gehört eben auch zum Leben mit dazu.
Ich hab euch lieb und hoffe ihr habt ein schönes Wochenende
Bis zum nächsten Mal.

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